
Niedersächsische Elbtalaue – Lüneburger Heide
Auf dieser Motorradtour zum Biosphärenreservat niedersächsische Elbtalaue gibt es inmitten einer wunderschönen Landschaft einiges zu entdecken.
Lüneburger HeideMotorradregion Lüneburger Heide17 Strecken
Der Motorrad-Guide in der Lüneburger Heide: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.
Die Lüneburger Heide liegt im Nordosten Niedersachsens, aufgespannt zwischen der Elbe im Nordosten und der Aller im Südwesten und eingerahmt vom Städtedreieck Hamburg, Hannover und Bremen. Auf knapp 7.000 Quadratkilometern verteilt sie sich über die Landkreise Harburg, Lüneburg, Uelzen, Heidekreis, Celle und Gifhorn. Wer das Gebiet als Motorradrevier einordnet, muss eine Sache vorweg klarstellen: Pässe, Serpentinen und Höhenmeter im Alpen-Sinn gibt es nicht. Die höchste Erhebung, der Wilseder Berg, misst 169,2 Meter und ist damit zugleich einer der höchsten Punkte im gesamten nordwestdeutschen Tiefland. Der Reiz liegt woanders — in einer eiszeitlich geformten Geestlandschaft aus Endmoränen, Sandern und Grundmoräne, die flachwellig zwischen offener Heidefläche und dichtem Kiefern- und Birkenwald wechselt.

Streckencharakter bedeutet hier Rhythmus statt Kehren. Die Landes- und Kreisstraßen laufen in langen, weit gezogenen Bögen über sandigen Untergrund, führen abschnittsweise durch geschlossene Waldpassagen und geben den Blick dann wieder auf freie Heide frei. Das west-östliche Rückgrat des Reviers ist die B209: von Walsrode über Bad Fallingbostel und Soltau — wo sie östlich der Stadt die B71 kreuzt — weiter über Amelinghausen bis Lüneburg. Im Südwesten schneidet die B3 von Soltau über Bergen nach Celle, im Osten verbindet die B4 Lüneburg mit Uelzen, und die B71 zieht durch den Raum Soltau–Munster in Richtung Uelzen. Diese Bundesstraßen tragen den Durchgangsverkehr; die eigentlichen Fahrstrecken sind die schmalen Nebenstrecken dazwischen, ein weit verzweigtes Netz aus Kreis- und Landstraßen, das abseits der großen Achsen durch Forst und Heidedörfer führt. Der Belag ist dort meist griffig, die Steigungen bleiben moderat, große Gefälle fehlen — dafür ziehen sich manche Geraden lang hin, bis die nächste Kurvenfolge kommt. Wer hier unterwegs ist, sortiert die Runde nicht nach Höhenprofil, sondern nach dem Wechsel der Landschaftsbilder.
Im Zentrum liegt das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, mit rund 234 Quadratkilometern das größte und älteste Niedersachsens; seine Schutzverordnung trat bereits im Januar 1922 in Kraft. Bis auf zwei Querverbindungen ist dieser Kern für Kraftfahrzeuge gesperrt — kein Nachteil fürs Fahren, sondern ein Grund, warum die umliegenden Landstraßen so ruhig geblieben sind und die Heide selbst unzerschnitten wirkt. Das eigentliche Herz erschließt sich deshalb von den Randstraßen aus und zu Fuß ab Heidedörfern wie Undeloh, Niederhaverbeck, Bispingen, Egestorf oder Schneverdingen. Zwischen den Heideflächen mäandern die typischen Geestbäche — Örtze, Böhme, Luhe, Seeve und die schiffbare Ilmenau —, deren Talzüge den Straßen sanfte Kurven und schattige Waldabschnitte vorgeben. So entstehen die schönsten Kombinationen aus zügigem Geradeauslauf, langgezogenen Radien und kurzen, welligen Passagen entlang der Bachniederungen.
Grob teilt sich das Revier in zwei Charaktere. Die Nordheide im Landkreis Harburg, rund um Buchholz, Handeloh und die Heidedörfer am Rand des Schutzgebiets, ist die dichteste und waldreichste Ecke — enge, kurvige Waldstraßen wechseln dort auf kurzer Distanz mit offenen Heideflächen. Weiter südwestlich, in der Südheide zwischen Soltau, Bergen und Celle, wird das Land weiter und die Wälder größer; die Strecken ziehen sich hier gestreckter, mit langen Sichtachsen und ruhigem Landstraßen-Tempo. Dazwischen liefern die Flusstäler den roten Faden: Wer den Läufen von Örtze, Böhme oder Luhe folgt, findet die sanftesten Kurven und die schattigsten Abschnitte, weil die Straßen sich an die Niederungen und ihre Uferwälder anlehnen. Diese Talstrecken sind es, die aus dem flachen Land doch noch einen kurvigen Fahrtag machen — nicht durch Höhenmeter, sondern durch die Linienführung entlang des Wassers.

Am deutlichsten wandelt sich das Revier zur Heideblüte: Von Anfang August bis Ende September färbt die Besenheide (Calluna vulgaris) den Boden weithin violett, am kräftigsten zwischen Mitte August und Anfang September — das sind die Wochen, in denen die Nebenstrecken um Wilsede, Undeloh und Amelinghausen am vollsten sind. Offen gehalten wird diese Landschaft von den Heidschnucken, den genügsamen Heideschafen, deren Beweidung das Zuwachsen der Flächen verhindert. Das Klima ist maritim geprägt und ohne Extreme; der sandige Geestboden nimmt Regen rasch auf, sodass die Straßen nach einem Schauer schnell abtrocknen und selten lange nass bleiben. Die Fahrsaison reicht vom Frühjahr, wenn frisches Grün die Kiefernforste durchzieht, über den violetten Hochsommer der Blüte bis in den goldenen Herbst der Birken- und Buchenabschnitte. Zwei Dinge gehören zum Fahren in einem Revier, das zu großen Teilen aus Wald besteht: Sand- und Splitteintrag an den Einmündungen der Forstwege und Wildwechsel in den geschlossenen Waldabschnitten. Beides verlangt vorausschauendes Tempo, nimmt dem Gebiet aber nichts von seiner Eignung für lange, entspannte Etappen.
Was die Lüneburger Heide als Motorradland ausmacht, ist die Summe der Teile: ein zusammenhängendes, verkehrsarmes Netz aus Landstraßen in Tagesausflug-Reichweite der großen Städte des Nordens, dazu der ständige Wechsel aus weiter Offenfläche und dichtem Forst auf kurzer Distanz. An den Rändern setzen die Ankerorte die Klammer — im Nordosten die alte Salz- und Backsteinstadt Lüneburg an der Ilmenau, im Süden das fachwerkgesäumte Celle an der Aller als südliches Tor zur Heide, in der Mitte Soltau, Munster und Bispingen als praktische Dreh- und Angelpunkte. Es ist kein Revier für den letzten Zehntel am Kurvenausgang, sondern eines für den langen, gleichmäßigen Zug über Land. Belohnt wird hier, wer zügig, aber gelassen fährt und Freude daran hat, sich durch ein fein verästeltes Sträßchennetz zu navigieren — am stärksten dort, wo der Verkehr dünn und die Sichtachse weit wird.
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